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Corona in Tamil Nadu

In Indien gilt seit 25. März eine Ausgangssperre für die gesamte Bevölkerung von 1,3 Milliarden Menschen. Die Regierung legt auch hier die Maßnahmen für etwa 14 Tage fest und bewertet dann neu. Das strenge Ausgehverbot wurde am 2. Mai verlängert. Versammlungen, worunter auch Gottesdienste fallen, sind nicht zulässig. Die Polizei kontrolliert die Einhaltung der Restriktionen. Diese Maßnahmen sind für die Versorgung alter und allein lebender Menschen äußerst schwer zu verkraften.

Die Zahl der Infizierten in Indien liegt offiziell bei etwa 42.836 (Stand: 04.05.2020). Tamil Nadu hat sich mit aktuell 3.023 Infizierten zu einem Hotspot innerhalb Indiens entwickelt. Besonders in der Hauptstadt Chennai steigen die Zahlen rapide an. Bislang sind 1.389 verstorben, 30 davon in Tamil Nadu.

Vor allem für die Bewohnerinnen und Bewohner in den Armenvierteln der indischen Großstädte führt die Ausgangssperre zu enormen Herausforderungen. Für sie ist es zudem besonders schwer, die empfohlenen Hygienemaßnahmen umzusetzen und durch soziale Distanz, die Ausbreitung des Virus zu bremsen. Oft gibt es nur zentrale Wasserstellen, die von mehreren Familien gemeinsam genutzt werden.

Das Nicht-Vorhandensein von Kühlschränken in den Häusern erschwert es Kranken, die regelmäßig Medikamente brauchen, diese zu kühlen und lang genug aufzubewahren. Apotheken sind geschlossen oder schwer erreichbar. Die oft schlechten sanitären Verhältnisse (keine Toiletten, keine zentrale hygienische Wasserversorgung usw.) verstärken den ohnehin schon unerträglichen Notstand, besonders in den Slums.

Viele Tagelöhner haben sich auf den Weg in ihre Heimatregionen begeben, weil sie in den Städten keine Arbeit mehr finden. Ihnen fehlen die täglichen Einkünfte zur Versorgung ihrer Familien. Die aufgelegten Hilfsprogramme der Regierung reichen nicht aus, um Defizite auszugleichen. Es wird befürchtet, dass dieser Massenexodus zur Verbreitung des Virus beitragen wird. Die Regierung hatte deswegen angeordnet, alle Grenzen der Bundesstaaten zu schließen.

Menschenrechtsorganisationen sind außerdem besorgt, welche Auswirkungen die Krise auf Reinigungsarbeiter*innen (meist Dalits ohne genügend Arbeitsbekleidung und Schutz) und auf Wanderarbeiter*innen hat.

Durch den Verlust von Arbeitsplätzen und Einkünften ist überdies in der Folgezeit eine höhere Verschuldung von großen Bevölkerungsteilen zu befürchten, was in erhöhte Schuldknechtschaft bis hin zur Sklaverei führen kann.

Menschen mit andersartigen Erkrankungen warten vor den Krankenhäusern, weil Corona-Patient*innen Vorrang haben. Es herrscht eher Panik als kluge Voraussicht. Es fehlt überall an Tests und besonnenen Entscheidungen.

Zur Lage der Tamilischen Evangelisch-Lutherischen Kirche (TELC)

Das Landeskirchenamt (Head Office)in Trichy ist geschlossen. Einzelne Mitarbeitende benutzen zu Hause den eigenen Laptop für die wichtigsten Arbeiten.

Die Pfarrer*innen sind online und per Telefon mit ihren Gemeinden verbunden. Bischof Rt. Rev. Daniel Jayaraj bietet für seine Gemeinden Online-Gottesdienste an. Unser ehemaliger ökumenischer Mitarbeiter Pfarrer Dr. Christan Samraj ist in seiner Gemeinde Coimbatore täglich von 10 bis 15 Uhr als Telefon-Seelsorger zu sprechen.

Es gibt es einen großen Unterschied zwischen Stadt und Land. In den Städten ist digitale Verbundenheit machbar. Die Menschen in abgelegenen Dörfern sind im Moment jedoch fast ohne Kontakte.

Aus der TELC hören wir die Sorge um die Lebenssituation von ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Gemeinden, die derzeit in ihrem sonstigen Beruf keine Einnahmen haben.

Als Sofortmaßnahme hat die TELC begonnen, 5 Kilogramm Reis, Linsen, Zucker, Salz, Masala, Öl, Gewürze und Seife für 500 Rupien pro Packung an die am stärksten betroffenen Haushalte zu übergeben. Die Pakete werden von Freiwilligen im Beisein des örtlichen Pastors verteilt. Da es viele Haushalte gibt, die diese Unterstützung benötigen, die finanziellen Mittel jedoch begrenzt sind, wurde bereits innerhalb der TELC um Spenden gebeten. Die TELC hat auf diesem Weg bereits 30.000 Euro aufgebracht, mit denen sie etwa 8.000 Familien helfen kann.

Die Indien-Freiwilligen in Halle und Leipzig warten nach wie vor auf die Möglichkeit wieder zurückzukehren. Sie werden in Deutschland weiterhin gut begleitet und haben die Möglichkeit, zu arbeiten bzw. das LMW in verschiedenen Arbeitsbereichen zu unterstützen.

Über die Situation in Indien erreichten uns am 21. April 2020 folgende Informationen des Bischofs Rt. Rev. Daniel Jayaraj (Auszüge übersetzt und zusammengefasst durch das LMW):

Wir befinden uns derzeit in einer humanitären Krise unbekannten Ausmaßes. Millionen Menschen sind davon betroffen. Daraus folgen eine Reihe von Konsequenzen, die das kommunale Leben massiv beeinträchtigen. Es wird Monate dauern, bis die Normalität wieder möglich wird.

In Tamil Nadu wurden 28 von 37 Distrikten als Hotspots identifiziert und als “rote Zonen” deklariert, wo strikte Einschränkungen durchgesetzt werden. Das führte und führt zu großen Engpässen in der Versorgung. Zwei der TELC-Krankenhäuser halten insgesamt 25 Betten für Corona-Erkrankte vor. Trotz Hilfsprogrammen von der Regierung und von NGOs bleibt eine große Not: Die Hilfspakete sind für größere Familien unzureichend. Viele abgelegene Gebiete werden mit derartigen Hilfen gar nicht erreicht.

Die wichtigste Aufgabe besteht in der Bereitstellung von Überlebenspaketen, bestehend aus Reis, Linsen, Öl, Salz und anderen notwendigen Gebrauchsartikeln. Die Kosten pro Paket belaufen sich auf 500 Rupien (etwa 6 Euro). Außerdem werden dringend sanitäre Hilfsgüter wie Masken, Seife, Zahnpasta usw. für weitere 100 Rupien pro Hilfspaket benötigt. Wir bitten um Unterstützung, um diese Not lindern zu können. 

Bitte um Unterstützung der theologischen Ausbildung:

Dieser Arbeitszweig ist für die Kirche besonders wichtig und steht im besonderen Fokus bischöflicher Aktivitäten. Es wird nach einer tragfähigen Lösung gesucht, um die Studiengebühren von Studentinnen und Studenten an den verschiedenen Ausbildungsstätten (Tamilnadu Theological Seminar Madurai, United Theological College Bangalore, und Gurukul Lutheran Theological College Chennai) abzusichern. Zurzeit absolvieren insgesamt 47 Personen ihren Bachelor- und eine Person ihren Master-Studiengang. Die Studienkosten betragen 85.000 Rupien pro Person, wobei sowohl Studiengebühren als auch Verpflegung und Unterbringung inbegriffen sind. Sind Studierende mit der gesamten Familie vor Ort belaufen sich die Kosten auf insgesamt 145.000 Rupien. 2019 fehlten etwa 1 Million Rupien, um die anfallenden Studiengebühren zu bezahlen. Dieses Defizit wird es auch in den nächsten Jahren geben.

Das LMW hilft unbürokratisch mit Geldern zur Beschaffung der nötigsten Lebensmittel.

Dies wird über die TELC organisiert. Man hofft, dass der komplette Lockdown der ersten Maitage wieder aufgehoben wird, um mobil sein und helfen zu können.

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