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Corona in Tansania

Fotos: Isaria Megiroo und Rev. Mathayo Mtui


 

Am 19. März wurden in Tansania durch Erlass der Regierung alle Kindergärten, Schulen, Colleges und Universitäten geschlossen. Auch alle öffentlichen Veranstaltungen und Versammlungen, wie Sportveranstaltungen, Demonstrationen und politische Kundgebungen wurden vom Staat untersagt. Gottesdienste und Gebete in Kirchen und Moscheen wurden davon allerdings explizit ausgenommen. Präsident Magufuli hat am 22. März beim Besuch einer katholischen Messe in Dodoma in einem medienwirksamen Auftritt sogar dazu ermutigt, weiter an Gottesdiensten teilzunehmen und auch das Abendmahl zu empfangen, das vor dem Corona-Virus schützen würde.

Aus verschiedenen Diözesen der ELCT wurde zunächst über die Umsetzung der von der Regierung erlassenen Maßnahmen berichtet. Gottesdienste wurden weiter durchgeführt, unterlagen aber Regulierungen, wie der Beachtung von Abstandsregeln zwischen Gottesdienstbesuchern und der Kürzung der Gottesdienstlänge auf maximal 45 Minuten. Am 17. April wurde durch Bischof Dr. Fredrick Shoo (Moshi) die Durchführung von Hochzeitsfeiern im gesamten Bereich der ELCT verboten. Am 23. April kam die Meldung, dass Bischof Bagonza aus der Karagwe-Diözese den Pfarrern seiner Diözese verboten hat, Gottesdienste durchzuführen. Bischof Sanga aus der Süd-Zentral-Diözese schrieb sehr treffend über die immer mehr um sich greifenden Angst, die er mit der Angst der Jünger direkt nach Karfreitag verglich. Ein großes Problem stellten auch vielerlei Gerüchte und ‚Fake-News‘ dar, die auf Ansteckungswege und mögliche Heilungsmethoden Bezug nahmen und durch die sozialen Medien rasante Verbreitung fanden. Aufgrund der allgemeinen Verunsicherung innerhalb der Bevölkerung kam es zwischenzeitlich zu einem beträchtlichen Rückgang der Zahl der Gottesdienstbesucher:innen, was unsere Partner, die in hohem Maß von den wöchentlichen Einnahmen der Sonntagskollekten abhängig sind, kurzfristig vor erhebliche wirtschaftliche Schwierigkeiten gestellt hat.

Insgesamt wurde innerhalb der Lutherischen Kirche aber sehr besonnen auf die Entwicklung im Land reagiert, was zunächst insbesondere durch Formulierung der Anfragen zu konkreter Corona-Nothilfe zum Ausdruck kam: Ayubu Lwilla (Leiter der Planungsabteilung in der Süd-Zentral-Diözese) beschrieb in einer Nachricht vom 15. April die wichtigste Aufgabe in seiner Kirche mit den Worten: „Bewusstseinsbildung und Ausstattung der Gemeinden mit Desinfektionsmitteln und Handspendern“. Ebenso äußerte sich Bischof Dr. Edward Mwaikali aus der Konde-Diözese am 23. April: „Ich wende mich an die Leipziger Mission mit der Bitte um finanzielle Unterstützung, damit wir Schutzmasken, Desinfektionsmittel und andere benötigte Mittel für unser Personal in den Gemeinden kaufen können.”

Bis Ende April gab es in Tansania offiziell 509 positiv getestete Corona-Fälle und 21 Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus COVID-19. Seitdem hat die tansanische Regierung keine Zahlen mehr veröffentlicht. Nachdem Präsident Magufuli im Mai den Sinn und die Genauigkeit von Corona-Tests (die von ‚ausländischen Interessen‘ manipuliert seien) öffentlich in Frage gestellt hat, und in der Bevölkerung ohnehin nur zu unnötiger Panik führen würden, wurden Tests im Land fast ganz eingestellt. Anfang Juni hat Präsident Magufuli die Epidemie in Tansania für beendet erklärt. Daraufhin wurden Schulen und Bildungseinrichtungen am 29. Juni wieder geöffnet und auch Großveranstaltungen im sportlichen und kulturellen Bereich wurden wieder erlaubt. Entsprechend schrieb der Bischof der Süd-Diözese, Dr. George Fihavango, in einer Nachricht vom 19. Juni: „Unsere ganze Anstrengung, Zeit und Psyche war tief vereinnahmt durch die Pandemie. Den größten Teil der Zeit haben wir genutzt, um – gemeinsam mit der Regierung – die Bevölkerung in unserem Gebiet darüber aufzuklären, wie wir während der Pandemie unser normales Leben führen und unserer Arbeit nachgehen können. Es war keine leichte Zeit, da wir auch die Durchführung unserer Gottesdienste und Gebete den Umständen anpassen mussten. (…) Die größte Herausforderung besteht nach wie vor im Bereich der Schulen und Hochschulen. Seit sie Mitte März geschlossen worden sind, waren alle Lehrer ohne Gehalt. (…) Wir danken Gott dafür, dass er interveniert hat und unser Präsident uns zum Gebet aufgefordert hat. So wurde die Situation bei uns nicht so schlimm wie in anderen Ländern. Deshalb können wir unsere Schulen am 29. Juni wieder öffnen. Aber alle Unternehmungen geschehen weiterhin unter Einhaltung der gewohnten Hygiene-Vorschriften. Die wirtschaftliche Situation in unserer Diözese und in unseren Schulen erfordert nun etwas wie eine ‚Nach-Covid-19-Pandemie-Wiedererholung‘.“ In der Eröffnungsrede zur Synode der Nord-Diözese, die am 18. August in Moshi stattfand, dankte Bischof Dr. Fredrick Shoo Gott dafür, dass er die Menschen Tansanias bisher vor COVID-19 bewahrt und geschützt hat. Die Auswirkungen der Pandemie waren nicht so schlimm, wie man befürchtet hatte. Er bat aber die Menschen, sich weiter an die Vorsichtsmaßnahmen zu halten, um eine Neuausbreitung zu verhindern.

Zusammenfassend lässt sich im Moment (November 2020) folgendes sagen: Der Umgang unserer Partnerdiözesen innerhalb der ELCT mit der Corona-Pandemie erfolgte in enger Anlehnung an die staatlichen Vorgaben. In der anfänglichen Verunsicherung der Bevölkerung sind die Partnerdiözesen sehr besonnen mit der Thematik umgegangen und sind so auch ihrem seelsorgerlichen Auftrag gerecht geworden. Die Ängste der Menschen (vor einer unbekannten neuen Bedrohung ‚von außen‘) wurden wahrgenommen, thematisiert und bearbeitet. Dadurch, dass Gottesdienste im ganzen Land weiter stattfinden konnten, wurden diese auch zur sachlichen Aufklärung über das Virus einerseits (Bewusstseinsbildung) und sinnvolle Schutzmaßnahmen andererseits genutzt (auch durch praktische Einübung der Gottesdienstbesucher in einfache Regeln des Infektionsschutzes wie Abstandhalten, regelmäßiges Händewaschen etc.).Insofern hat die Reaktion der Kirche in Tansania zur Beruhigung und Versachlichung der Lage beigetragen.

Schwer einzuschätzen bleibt gegenwärtig das Verhältnis zwischen Kirche und Staat. Kritische Stimmen gegenüber den staatlichen Vorgaben, wie es sie aus der tansanischen Zivilgesellschaft gab und die schnell unterdrückt wurden, waren von kirchlicher Seite öffentlich nicht zu hören. Das mag einerseits daran liegen, dass es in Teilen der ELCT durchaus eine unkritische Zustimmung zu den Äußerungen des Präsidenten gibt, zumal diese ja auch religiös flankiert sind („wir haben zu Gott gebetet und wurden errettet“). Andererseits gibt es durchaus Zweifel über die Darstellung der Lage durch die Regierung.

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