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  • Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Corona in Tansania

Fotos: Isaria Megiroo und Rev. Mathayo Mtui


 

Für Tansania hat die tansanische Regierung seit dem 29. April keine aktuellen Infektionszahlen mehr veröffentlicht. Es muss aber inzwischen von einer landesweiten Ausbreitung des Corona-Virus ausgegangen werden. Zum Beispiel wurde in den vergangenen Tagen immer wieder von tansanischen LKW-Fahrern berichtet, die an den Grenzübergängen zu Sambia, Uganda und Kenia positiv getestet worden sind.

Am 19. März wurden alle Kindergärten, Schulen, Colleges und Universitäten zunächst für 30 Tage geschlossen. Diese Maßnahme wurde inzwischen auf unbestimmte Zeit verlängert. Alle öffentlichen Veranstaltungen und Versammlungen, wie Sportveranstaltungen, Demonstrationen und politische Kundgebungen sind damit vom Staat vorläufig untersagt. Gottesdienste und Gebete in Kirchen und Moscheen sind davon allerdings ausgenommen. Beim Besuch einer katholischen Messe am 22. März in Dodoma hat Präsident Magufuli in einem medienwirksamen Auftritt sogar dazu ermutigt, weiter an Gottesdiensten teilzunehmen und auch das Abendmahl zu empfangen. Dieser öffentliche Aufruf hat (auch international) durchaus ambivalente Reaktionen ausgelöst. Lesenswert dazu ist der Rundbrief von Gabriele Mayer, die für das Zentrum für Mission und Ökumene (Breklum/Hamburg) als Dozentin am University-College in Mwika arbeitet.

Aus unseren Partnerdiözesen wissen wir aber, dass es trotzdem Regulierungen gibt, um Hygienevorschriften und Abstandsregeln auch in den Kirchen einzuhalten. Seit dem 17. April sind Hochzeitsfeiern im Bereich der ELCT verboten. Am 23. April kam die Meldung, dass Bischof Dr. Benson Bagonza aus der Karagwe-Diözese den Pfarrern verboten hat, Gottesdienste durchzuführen. Aufgrund der allgemeinen Unsicherheit ist die Zahl der Gottesdienstbesucher generell zurückgegangen, was unsere Partner, die stark von den direkten Einnahmen der Sonntagskollekten abhängig sind, kurzfristig vor erhebliche wirtschaftliche Schwierigkeiten stellt.

Eine allgemeine Kontaktsperre wie in Deutschland gibt es nach wie vor nicht. Ein 'Social Distancing' wäre auch aufgrund der Wohnverhältnisse vieler Menschen, wie auch der Arbeitsverhältnisse im informellen Sektor kaum realisier- und durchsetzbar.

Aus dem medizinischen Bereich gibt es zur Gefahr durch das Coronavirus in Tansania und Afrika unterschiedliche Stimmen. Einerseits wird auf die reale Problematik hingewiesen, dass das Gesundheitssystem in keiner Weise auf eine Epidemie vorbereitet ist. Andererseits gibt es auch Stimmen, die sagen, dass sich die allgemeine Gefahr für die Gesamtbevölkerung in Grenzen hält, weil die Altersstruktur der Bevölkerung ganz anders ist als in Asien oder Europa. Die große Mehrheit der Bevölkerung ist unter 50 Jahre alt; und nur ein geringer Teil über 65. Damit ist die Risikogruppe erheblich kleiner. Lesenswert dazu ist das Interview mit Antje Henke, Mitarbeiterin von Mission EineWelt am Krankenhaus KCMC in Moshi.

Als noch größere Gefahr werden aber die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie gesehen. Durch die Einreisebeschränkungen und das Stoppen fast aller internationalen Flüge ist der für Tansania so wichtige Tourismussektor zum Stillstand gekommen. Und die weiteren Folgen in anderen Wirtschaftsbereichen sind noch nicht absehbar. Erste Stimmen fordern deshalb bereits einen umfassenden Schuldenerlass für Länder wie Tansania.

"Auch die Evangelisch-Lutherische Kirche in Tansania ist sehr bewegt davon, wie das Coronavirus das Leben auf der ganzen Welt verändert hat. In Zeiten in denen jeder, unabhängig von Religion oder Nationalität, Angst hat, ist Jesus Christus unsere Hoffnung", schreibt der Bischof der Süd-Diözese, Dr. George Fihavango. "Trotz aller wissenschaftlichen Errungenschaften, die Gott uns gewährt hat, brauchen wir ihn, um uns in dieser Situation zu helfen. Die Kirche in Tansania betet für die ganze Welt, denn wir sind alle betroffen. Wir beten auch für die Wirtschaft der ganzen Welt, für die Kranken und für die Wissenschaftler, dass Gott schnell ihren Geist öffnet, um eine medizinische Lösung zu finden!"

Explizite Wortmeldungen gibt es auch von Bischof Dr. Fredrick Shoo aus der Nord-Diözese (zugleich für die gesamte ELCT), Bischof Dr. Edward Johnson Mwaikali aus der Konde-Diözese und Bischof Wilson Benjamin Sanga aus der Süd-Zentral-Diözese.

Die Partner nehmen Anteil an unserer Situation in Deutschland, über die tansanische Medien viel berichten. Sie schreiben, dass sie uns in ihre Fürbitte aufnehmen. Zugleich nimmt die Unsicherheit bezüglich der Ausbreitung des Corona-Virus in Tansania zu. Bischof Sanga aus der Süd-Zentral-Diözese schreibt von der immer mehr um sich greifenden Angst, die er mit der Angst der Jünger direkt nach Karfreitag vergleicht. Ein großes Problem stellen in Tansania derzeit Fake-News dar, die auf Corona und mögliche Heilungsmethoden Bezug nehmen und durch die sozialen Medien rasante Verbreitung finden.

Explizite Bitten um konkrete Nothilfe gibt es inzwischen aus der Süd-Zentral-Diözese und der Konde-Diözese:
Ayubu Lwilla, Leiter der Planungsabteilung der Südzentral-Diözese (SCD) in Makete, beschreibt in einer Nachricht vom 15. April die Aufgabe der Kirchenleitung: „Bewusstseinsbildung und Ausstattung der Gemeinden mit Desinfektionsmitteln und Handspendern“. Er verweist auf die Situation der Volksgruppe der Wakinga, die teilweise als Geschäftsleute in Tansania und auch China (!) tätig sind und auf diesem Weg das Virus einschleppen, wenn sie jetzt in der Krisenzeit nach Hause kommen. Er verweist auch auf die besondere Situation, dass viele Menschen in der SCD ohnehin durch HIV/Aids ein geschwächtes Immunsystem haben und die Gefahr durch eine Infektion noch mal steigt.
Bischof Dr. Mwaikali aus der Konde-Diözese schrieb am 23. April: „Ich wende mich an die Leipziger Mission mit der Bitte um finanzielle Unterstützung, damit wir Schutzmasken, Desinfektionsmittel und andere benötigte Mittel für unser Personal in den Gemeinden kaufen können.”

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