Das Missionswerk der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens und der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland

Spende
  • Dänisch-Hallesche Mission

  • Bartholomäus Ziegenbalg 1706

  • Australien 1838 bis 1846

  • Missionsgesellschaft zu Dresden

  • Indien seit 1840

  • Von Dresden nach Leipzig 1848

  • Tansania seit 1893

Der Aufbruch

Das Missionswerk 1819–1848: Von Dresden über Leipzig nach Australien

Von Dresden nach Leipzig

Der Anfang geschah durch „Laien“, durch innovative Gemeindeglieder der frühen Erweckung im 19. Jahrhundert. Es waren vor allem Geschäftsleute und Beamte, unter ihnen der sächsische Minister Graf Detlev von Einsiedel. Sie waren bewegt vom Geist der Herrnhuter, einem Aufruf Tübinger Theologen und dem missionarischen Aufbruch auf den britischen Inseln im 17. und 18. Jahrhundert, von denen einst viel früher schon das Evangelium zu den germanischen Völkern getragen worden war. Im August 1819 gründeten diese von der Idee der Mission ergriffenen Menschen den Dresdner Missions-Hilfsverein in der Überzeugung: „Die Zeit kommt, wo alles sich drängt, zu dem Reich Gottes zu kommen.“

In den folgenden Jahren gewann dieser Verein junge Männer für die Ausbildung als Missionare bei der 1815 gegründete Basler Mission und unterstützte als Hilfsverein deren Arbeit durch Verbreitung ihrer Nachrichtung und Zuführung von eingeworbenen Spenden. Anfänglich führte auch die Basler Mission keine eigene Missionstätigkeit durch, sondern vermittelte die Absolventen an die 1799 gegründete anglikanische Church Missionary Society.

Anfang der 1830er Jahre veränderte sich die konfessionelle Situation der bis dahin ökumenischen Missionsbewegung: Von den über die Church Missionary Society entsandten Missionaren wurde nun die Anerkennung des anglikanischen Glaubensbekenntnisses und die Einordnung in die anglikanische Kirchenhierarchie erwartet. Die lutherisch geprägten Kandidaten aus Sachsen und Umgebung konnten diese Forderung nicht erfüllen. Zugleich regte sich im Zusammenhang der preußischen Unionsbestrebungen (die auf eine gemeinsame Liturgie für evangelisch-reformierte und evangelisch-lutherische Gemeinden in den preußischen Kirchengebieten abzielte) insbesondere in den lutherischen Gebieten Breslaus Widerstand, deren "alt-lutherische" Anführer nach Dresden exiliert wurden.

In diesem Kontext konstituierte sich der Dresdner Hilfsverein am 17. August 1836 neu als "Ev.-Luth. Missionsgesellschaft zu Dresden" und löste sich im Zuge dessen von der Basler Mission. Die Leitung der nun selbständigen Missionsgesellschaft hatte ein Kollegium, das einer Generalversammlung rechenschaftspflichtig war. Die konfessionelle Orientierung als lutherischer Missionsgesellschaft löste große Zustimmung in vielen lutherischen Kirchengebieten und deren Missionshilfsvereinen aus - Hannover, Mecklenburg, Hamburg, Braunschweig, Bayern, Elsass, Südrussland, Polen, Baltikum, Dänemark und Schweden - die sich nun alle der Unterstützung der neuen Dresdner Missionsgesellschaft verpflichtet sahen: "Die Bestrebungen der lutherischen Kirche Deutschlands [sind] allem Anschein nach auf uns übergegangen [...]", heißt es im ersten Jahresbericht der neuen Missionsgesellschaft vom 23. November 1837.

Von Anfang an verstand sich die Dresdner Missionsgesellschaft zwar lutherisch, darin aber international - also ganz und gar nicht nur als sächsische Missionsgesellschaft. Karl Graul, der prägende Direktor der Gesellschaft, stärkte diese Vision nach 1843. Er trat ein für Bildung und Wissenschaft, weshalb man im Jahre 1848 mitsamt Seminar in die Universitätsstadt Leipzig umzog und seitdem als "Evangelisch-Lutherische Missionsgesellschaft Leipzig" bzw. "Leipziger Mission" firmierte. 1850 als rechtlich eigenständige Genossenschaft eingetragen arbeitete sie mit den territorialen (Landes-)Kirchen zusammen, finanzierte sich aber weiterhin überwiegend aus Spenden. Die Ordination ihrer Missionare geschah wenn auch konkret in jeweils einer bestimmten lutherischen Territorialkirche, so doch ideell in der und für die eine weltweite lutherischen Kirche. Mit dieser lutherisch-internationalen Ausrichtung war die Dresdner/Leipziger Missionsgesellschaft später eine Quelle für die zunächst deutschen und später dann globalen lutherischen Einheitsbestrebungen. Bei einem Treffen nordamerikanischer und deutscher Lutheraner 1919 und einer lutherischen Missionskonferenz 1920 jeweils in Leipzig entstand der Wunsch nach weiteren Zusammenkünften lutherischer Mission und Kirchen, woraus 1923 der Lutherische Weltkonvent in Eisenach gegründet wurde, Vorläufer des Lutherischen Weltbundes.

Australien - die Erstlinge der Dresdner Mission

Als unmittelbarer Auslöser für die Neugründung des Dresdner Missionshilfsverein als lutherischer Missionsgesellschaft gilt ein Schreiben von zwei Absolventen aus dem Missionsinstitut des Pastors Johannes Jänicke in Berlin, Clamor Schürmann (aus Schledehausen bei Osnabrück) und Gottlob Teichelmann (aus Dahme/Mark Brandenburg). Als lutherische Theologen konnten sie sich mit der Einordnung in die anglikanische Kirche nicht einverstanden erklären und suchten nach der Entsendung als Missionare durch eine lutherische Missionsgesellschaft. Mit Unterstützung von Christen unabhängiger, nicht-anglikanischer Kirchen in England übernahm die Dresdner Missionsgesellschaft diese beiden jungen Männer in ihre Ausbildung und schickte als ihre ersten Missionare 1838 in die zwei Jahre zuvor gegründete britische Kolonie Südaustralien. 1840 folgten ihnen zwei Jahre später Eduard Meyer und Samuel Klose. Ihr Auftrag war, die Sprachen lokalen Aborigines zu erlernen, ihnen das Evangelium zu verkündigen und ihre Kinder zu unterrichten. Nach nur einem Jahr eröffneten Clamor Schürmann und Gottlob Teichelmann am Rand der Siedlung Adelaide eine erste Schule, in der sie die Kinder der Aborigines in ihrer eigenen Sprache unterrichteten.

Als Missionare scheiterten die vier jungen Männer - sie hatten nie eine Chance, denn innerhalb von nur 15 Jahren wurde die heutige Region des Grossraumes Adelaide von mehr als 50.000 Siedlern aus Grossbritannien und Deutschland besiedelt, die die weniger als tausend Ureinwohner vertrieben. Aber die Ersten Australier hatten die Weitsicht, diesen jungen Männern ihre Sprachen zu vermitteln. Nicht nur konnten die Ureinwohner mit den Missionaren ab dem 23. Dezember 1839 so die oben erwähnte Schule betreiben, die Missionare publizierten bereits 1841 auch die erste ausführliche Grammatik und Wortliste einer Sprache der Aborigines in Südaustralien (Kaurna im Grossraum Adelaide), gefolgt von Ngarrindjeri (Ramindjeri, um den Lake Alexandrina südlich von Adelaide) und Barngarla (Eyre Peninsula, im Westen). 

Mangels Unterstützung seitens der Kolonialverwaltung und der deutschen lutherischen Siedlergemeinden in Südaustralien und weil die anfänglich zugesagte Finanzierung aus England versiegte, sahen sich die Dresdner Missiongesellschaft und ihre australischen Misionare 1846 gezwungen, die Arbeit an den drei Standorten Adelaide, Encounter Bay und Port Lincoln nach gerade mal 15 Jahren wieder aufzugeben. Nicht nur das: Auch die Aborigines waren zu diesem Zeitpunkt in der freien Siedler-Kolonie Süd-Australien weitgehend vertriebe (wenn auch nicht, wie im Osten oder Norden von Australien, ermordet). 

Allerdings hinterließ die Arbeit der vier Dresdner Missionare Früchte „jenseits aller Vorstellungen“ - so formuliert es der Sprachwissenschaftler Robert Amery in einem ersten Artikel zu den Errungenschaften dieser „Dresden Four“, wie sie in der australischen Fachwissenschaft heute bezeichnet werden: Auf Grundlage der umfangreichen Wortlisten sowie der Beschreibung der grammatikalischen Struktur der drei Aborigines-Sprachen gelang seit den 1980er Jahren die erfolgreiche Wiederbelebung dieser Sprachen, was wiederum die Stabilisierung der entsprechenden Gemeinschaften der Aborigines ermöglicht. Schürmann, Teichelmann, Meyer und Klose waren als lutherische Missionare nicht nur die ersten „Missionarslinguisten“, ihr Engagement mit den Aborigines damals ermöglichte in der Gegenwart auch Sprachprojekte, die international Vorbildcharakter gewonnen haben.

Seit dem 175-jährigen Jubiläum 2011 sucht das Evangelisch-Lutherische Missionswerk Leipzig, wie die Dresdner/Leipziger seit 1993 heißt, wieder aktiv den Austausch mit diesen Aborigines-Gemeinschaften und ihrer gemeinsamen ungewöhnlichen Geschichte zwischen Deutschland und Australien.

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