190 Jahre Leipziger Mission: Dankbar zurückblicken – gemeinsam Zukunft gestalten
Mit einem festlichen Gottesdienst in der Leipziger Nikolaikirche und einem anschließenden Empfang hat das Leipziger Missionswerk sein 190-jähriges Bestehen gefeiert. Gemeinsam mit Gästen aus den Partnerkirchen, Vertreterinnen und Vertretern aus Kirche und Gesellschaft sowie zahlreichen Freundinnen und Freunden des Werkes wurde auf eine bewegte Geschichte zurückgeblickt – und zugleich der Blick nach vorn gerichtet.
Die Predigt hielt Pastorin Dr. Elizabeth Silayo aus Tansania. Sie spannte den Bogen von den Anfängen der Leipziger Mission im Jahr 1836 bis in die Gegenwart und würdigte den Mut der ersten Missionare. Damals seien die Menschen „weltweit weit voneinander entfernt“ gewesen – ohne Internet, ohne Mobiltelefone, ohne moderne Verkehrsmittel und ohne die Möglichkeiten heutiger Kommunikation. „Die ersten Missionare wussten nicht, was sie erwartet. Sie vertrauten Gott. Sie hörten Gottes Ruf“, sagte Silayo. „Ist das nicht wunderbar?“
Zugleich verschwieg sie nicht die Ambivalenzen der Missionsgeschichte. Der Begriff Mission werfe heute schwierige Fragen auf und sei mit Kolonialismus, Macht und Ungleichheit verbunden. Dennoch dürfe der Einsatz der ersten Missionarinnen und Missionare nicht kleingeredet werden. „Ohne ihr Wirken gäbe es unsere heutige Beziehung nicht“, betonte sie.
Besonders eindrücklich beschrieb Silayo den Wandel der Partnerschaften. „Dass ich heute hier predige, ist kein Zufall“, sagte sie. Sie verstehe sich selbst als „Missionarin in Deutschland“ – ein Zeichen dafür, wie sehr sich die weltweiten Beziehungen verändert hätten. Heute gehe es nicht mehr um ein Gegenüber von sendender und empfangender Kirche, sondern um gemeinsames Unterwegssein: „Wir stehen nebeneinander und Jesus Christus in unserer Mitte.“
Das 190-jährige Jubiläum sei deshalb nicht nur Anlass zum Erinnern, sondern zugleich „Startsignal für die Zukunft“. Es gelte zu prüfen, woher die Kirche komme, zu klären, wohin sie gehen wolle, und „in Hoffnung nach vorn zu schauen“. Silayo zeigte sich überzeugt: „Gott hat noch viel vor mit uns.“ Der gemeinsame Auftrag bestehe darin, Brücken zu bauen und Gottes Liebe in der Welt sichtbar zu machen.
Beim anschließenden Empfang griff Direktorin Annette Kalettka diese Gedanken auf. Gottesdienste seien „space for grace“ – Räume, in denen Menschen Gottes Gnade erfahren, Kraft schöpfen und Orientierung finden können. „Unsere Mission ist die kleine Schwester von Gottes großer Mission für diese Welt“, sagte sie. Gerade in herausfordernden Zeiten brauche es diese geistliche Stärkung, um Neues zu wagen, Vergangenes aufzuarbeiten und gemeinsam Verantwortung zu übernehmen.
Kalettka würdigte außerdem die zahlreichen Glückwünsche aus den Partnerkirchen. Der Leitende Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Tansania, Dr. Alex Malasusa, beschrieb den gemeinsamen Weg als Entwicklung von einer Missionsbeziehung hin zu einer gleichberechtigten Partnerschaft in Gottes weltweiter Mission. Bischof Dr. Jack Urame von der Evangelisch-Lutherischen Kirche von Papua-Neuguinea rief dazu auf, die prophetische Stimme für Frieden, Gerechtigkeit, Versöhnung und Menschenwürde weiter zu erheben. Bischof Christian Samraj von der Tamil Evangelical Lutheran Church ermutigte das Leipziger Missionswerk, besonders junge Menschen zu fördern und die internationalen Partnerschaften weiter zu vertiefen.
Die anschließenden Grußworte machten deutlich, wie sich das Selbstverständnis des Leipziger Missionswerks in den vergangenen 190 Jahren gewandelt hat: Aus einer historischen Missionsgesellschaft ist ein Netzwerk weltweiter Partnerschaften geworden. Dankbar blickt das Werk auf seine Geschichte zurück – und zugleich hoffnungsvoll nach vorn. Denn, so brachte es Dr. Elizabeth Silayo auf den Punkt: „190 Jahre sind das Fundament der Missionsarbeit – und ein Startsignal für die Zukunft.“
