Bischof Dr. Jack Urame hat zwei neue Veröffentlichungen vorgestellt: eine nationale Strategie gegen Gewalt aufgrund von Zaubereivorwürfen und eine indigene Theologie des guten Zusammenlebens. Eine landesweite Studie des Melanesian Institute unterstreicht die Dringlichkeit des gemeinsamen Engagements.
Die christlichen Kirchen in Papua-Neuguinea wollen gemeinsam stärker gegen Gewalt aufgrund von Zaubereivorwürfen vorgehen. Am 22. Oktober 2026 wurden am Melanesischen Institut in Goroka zwei neue Veröffentlichungen vorgestellt: die nationale Kirchenstrategie gegen sogenannte Sorcery Accusation Related Violence (SARV) sowie eine Publikation zur indigenen Theologie mit dem Titel Whole of Life Indigenous Theology.
An der Veranstaltung nahmen Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Kirchen, der Regierung, von Entwicklungsorganisationen und der Zivilgesellschaft teil. Der Leitende Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche von Papua-Neuguinea (ELC-PNG), Dr. Jack Urame, betonte die Dringlichkeit konkreten Handelns. Die Kirchen müssten gemeinsam dazu beitragen, Menschenleben zu schützen und Familien und Gemeinschaften zu stärken.
Gewalt aufgrund von Zaubereivorwürfen bekämpfen
Wie dringend das Problem ist, zeigt eine landesweite Studie des Melanesian Institute, die im August 2026 veröffentlicht wurde. Dafür wurden im Mai 2.000 Menschen aus allen 20 Provinzen Papua-Neuguineas, der autonomen Region Bougainville und dem Hauptstadtbezirk befragt. 90 Prozent der Befragten gaben an, dass es in ihrer eigenen Gemeinschaft zumindest gelegentlich Gewalt aufgrund von Zaubereivorwürfen gibt. 59 Prozent kennen jemanden, der eine beschuldigte Person angegriffen hat. Zugleich lehnt die große Mehrheit diese Gewalt ab: 97 Prozent halten es für wichtig oder sehr wichtig, dass Papua-Neuguinea wirksam gegen SARV vorgeht.
Die neue nationale SARV-Strategie wurde vom Rat der Kirchen Papua-Neuguineas (PNG Council of Churches) mit Unterstützung der australisch-papua-neuguineischen Partnerschaft entwickelt. Sie soll einen gemeinsamen Rahmen schaffen, um Gewalt zu verhindern, Betroffene zu unterstützen und Gemeinschaften aus Angst und gegenseitigen Beschuldigungen herauszuführen. Kein Mensch dürfe aufgrund des Vorwurfs der Zauberei misshandelt, gefoltert, vertrieben oder getötet werden.
Geplant sind unter anderem Schulungen für kirchliche Mitarbeitende, Aufklärungsarbeit in Gemeinden, Schulen und Gesundheitseinrichtungen sowie die Unterstützung von Überlebenden durch Seelsorge, Beratung und Wiedereingliederung. Vertreterinnen und Vertreter der lutherischen, katholischen, anglikanischen, baptistischen und weiterer Kirchen unterzeichneten die Strategie gemeinsam.
Indigene Werte und biblische Botschaft verbinden
Die zweite Veröffentlichung, Whole of Life Indigenous Theology, hat Bischof Urame gemeinsam mit dem Theologen Rev. Dr. Maki Koroma von der United Church verfasst. Sie verbindet positive Werte und Traditionen der Kulturen Papua-Neuguineas mit biblischen Aussagen. Unter dem Tok-Pisin-Titel Theology bilong gutpela sindaun – sinngemäß: Theologie für ein gutes Zusammenleben – zeigt sie Wege auf, wie Familien und Gemeinschaften in Frieden und gegenseitigem Respekt leben können.
Bischof Urame sieht darin eine praktische Orientierung für Gemeinden, deren Zusammenleben durch falsche Anschuldigungen und Gewalt erschüttert wurde. Die Publikation soll dazu beitragen, Respekt, Verantwortung und ein friedliches Miteinander neu zu stärken.
„Wir können nicht die ganze Welt verändern. Aber wir können dort, wo wir sind, kleine Schritte unternehmen, um das Leben einzelner Menschen, von Familien und Gemeinschaften zu verbessern“, sagte Urame zum Abschluss der Veranstaltung.
Beide Veröffentlichungen stehen für den gemeinsamen Anspruch der Kirchen, nicht bei Erklärungen stehen zu bleiben, sondern konkrete Verantwortung für Menschen und Gesellschaft in Papua-Neuguinea zu übernehmen.
Weiterführende Informationen und Materialien:
Originalbericht der ELC-PNG zur Vorstellung der beiden Veröffentlichungen (englisch)
Weitere Informationen zur SARV-Arbeit des Melanesian Institute (englisch)
