„Alles Geschichte?“ – Neues Bildungsmaterial zu Kirche, Mission und Kolonialismus

Eine neue Broschüre des Leipziger Missionswerkes unterstützt kirchliche Gruppen dabei, sich kritisch mit der kolonialen Vergangenheit und ihren Auswirkungen bis heute auseinanderzusetzen. Am 31. Oktober wird das Material in Leipzig vorgestellt.

Wie lässt sich über Kolonialismus sprechen, wenn Wissen fehlt oder Scham das Gespräch erschwert? Obwohl das Thema in vielen Gemeinden bisher wenig Raum einnimmt, wächst der Wunsch, sich damit auseinanderzusetzen. Dafür gibt es jetzt neues Bildungsmaterial: Die 40-seitige Broschüre „Alles Geschichte? Kirche – Mission – Kolonialismus“ verbindet fundiertes Hintergrundwissen mit vielfältigen Methoden für die Gruppenarbeit. Umfangreiches Online-Material ergänzt die gedruckte Ausgabe.

Entstanden ist die Broschüre im Ökumenischen Arbeitskreis „Postkoloniale Perspektiven in der kirchlichen Bildungsarbeit“. Sie richtet sich insbesondere an kirchliche Gruppen unterschiedlichen Alters sowie an Teilnehmende von Freiwilligendiensten. In fünf Modulen geht es um die Grundlagen des deutschen Kolonialismus, Mission im kolonialen Kontext, postkoloniale Perspektiven auf Kirche und den Zusammenhang von Kirche und Rassismus.

Vorstellung und Workshops am 31. Oktober in Leipzig

Am 31. Oktober wird das Bildungsmaterial im GRASSI Museum Leipzig im Bonvenon-Raum vorgestellt. Neben der Einführung in die Broschüre bieten Workshops Gelegenheit, die Methoden kennenzulernen und sich über ihre Anwendung in der Bildungsarbeit auszutauschen. Eine Podiumsdiskussion widmet sich anschließend der Frage: „Wie gelingt postkoloniale Bildungsarbeit?“ Carina Flores, cross-disziplinäre Trainerin und dekoloniale systemische Beraterin, und Franziska Kietzmann, Referentin für Inklusion und Jugendpolitik bei der EKM, bringen dazu ihre Erfahrungen und Perspektiven aus der Praxis ein.

Programm
  • Ab 12.30 Uhr: Ankommen und Netzwerken
  • 13 Uhr: Begrüßung und Vorstellung der Bildungsmaterialien
  • 13.30 Uhr: Workshops und Austausch über Methoden
  • 14.45 Uhr: Kaffeepause
  • 15.15 Uhr: Podium „Wie gelingt postkoloniale Bildungsarbeit? – Erfahrungen, Herausforderungen und Perspektiven aus der Praxis“
  • 16 Uhr: Abschluss

Die Veranstaltung wird von Anna Mehlhorn geleitet. Die Teilnahme ist kostenfrei. Eine Anmeldung ist erforderlich.

Gemeinsam lernen statt fertige Antworten vermitteln

Das Material lädt dazu ein, eigene Wissenslücken zu entdecken, historische Quellen kritisch zu betrachten und koloniale Denkweisen in der Gegenwart zu hinterfragen. Biografische Übungen, historische Fotografien, Textanalysen, Schreibgespräche und Reflexionsmethoden eröffnen unterschiedliche Zugänge zu den komplexen Themen. Ziel ist es, persönliche Auseinandersetzung und einen offenen Austausch in der Gruppe zu ermöglichen.

Auch die Entwicklung der Broschüre war von kritischer Reflexion geprägt. Die rassismuskritische Begleiterin Carina Flores machte auf Leerstellen, eurozentrische Perspektiven und problematische Sprachbilder aufmerksam. Gemeinsam mit dem Team reflektierte sie Fragen von Verantwortung, Positionierung und Darstellung. Wertvolle Hinweise kamen außerdem von Dr. Boniface Mabanza und Marita Wagner von der Kirchlichen Arbeitsstelle Südliches Afrika (KASA).

Verantwortet wurde das Projekt von Anna Mehlhorn, Koordinatorin des Freiwilligennetzwerkes im Leipziger Missionswerk. Ein besonderer Dank gilt den ehemaligen Freiwilligen Franziska Scheffel und Tilman Bürger für ihr ehrenamtliches Engagement sowie Dorothea Trappe, die das Projekt nach ihrer Mitarbeit für die Katholische Akademie des Bistums Dresden-Meißen und das IBZ St. Marienthal/Ostritz ehrenamtlich weiter unterstützte. Michael Seimer, Referent in der Männerarbeit der sächsischen Landeskirche, prüfte das Material auf seine Praxistauglichkeit.

Ermöglicht wurde die Entwicklung durch die Förderung von Brot für die Welt, dem Katholischen Fonds und dem Entwicklungspolitischen Netzwerk Sachsen.

Material bestellen und Erfahrungen teilen

„Alles Geschichte?“ versteht sich als Einladung zum gemeinsamen Lernen – nicht als fertige Antwort. Das Leipziger Missionswerk freut sich deshalb über Rückmeldungen aus der Praxis: Welche Methoden haben sich bewährt? Welche Fragen sind in den Gruppen entstanden?

Die Broschüre und ergänzende Materialien stehen online zur Verfügung. Gedruckte Exemplare sind in begrenzter Anzahl bei Anna Mehlhorn erhältlich.