Die Lutheran Mission Cooperation (LMC) ist der Verbund der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Tansania (ELCT) mit den ‚nördlichen Partnerkirchen‘ (aus Deutschland, Dänemark, Schweden, Finnland und Norwegen). Das Jahrestreffen (der sog. ‚Round Table‘ am 30.09.-01.10. in Dodoma) stand dieses Jahr unter dem Thema ‚Mission decolonized‘. Das biblische Leitwort stand in Galater 3,26-28: "Ihr seid alle durch den Glauben Gottes Kinder in Christus Jesus. Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen. Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus."

In zwei Impulsvorträgen wurde die Verwicklung der historischen Missionsarbeit in Ostafrika mit dem Agieren der deutschen Kolonialmacht in den Blick genommen und nach den Folgen dieser Geschichte für die gegenwärtigen Partnerschaftsbeziehungen insbesondere in der jungen Generation gefragt. Dr. Nancy Rushohora (Universität Daressalaam) beendete ihren Vortrag mit der Frage: “Wie können wir mit der kolonialen Vergangenheit umgehen, ohne dass die Verletzungen der Geschichte unsere gegenwärtige Verbindung im Leib Jesu Christi zerstört?”  Dr. Emmanuel Kileo (Studienleiter für Dekolonialität, Antirassismus und Dialog bei Mission Eine Welt, Neuendettelsau) zog in seinem Vortrag: „Decolonizing South-North Church Partnerships“ folgende Schlüsse: (1.) Dekolonisierung ist nicht ein „guter Süden gegen einen bösen Norden“-Projekt. Es ist das gemeinsame Engagement für Gerechtigkeit, wobei der ‚Süden‘ eigene Verpflichtungen hat. (2.) Dekolonisierung ist ein weitergehender theologischer, institutioneller und politischer Prozess. Er erfordert historische Ehrlichkeit, institutionelle Selbstkritik (im Norden wie auch im Süden!), eine gerechte Verteilung der Ressourcen, die Anerkennung eines vielfältigen Erfahrungswissens, veränderte Entscheidungsstrukturen, die Bereitschaft zur Restitution, und gegenseitige Rechenschaftspflicht. (3.) Galater 3,26-28 erinnert uns daran, dass Identität niemals zur Rechtfertigung von Herrschaft (Macht) dienen darf. Die ‚Einheit in Christus‘ verpflichtet die Kirche dazu, mit Unterschieden (Differenzen) zu leben, ohne dabei eine Hierarchie zu schaffen. Die Fragestellung verändert sich: nicht „Wie kann der Norden dem Süden helfen?“ – sondern: „Welche Macht muss geteilt wer-den, welche Privilegien sichtbar gemacht werden, welche Geschichten neu erzählt werden, welche Res-sourcen neu verteilt werden, und welche Stimmen sind dabei noch nicht gehört worden?“ Dekolonisierung bedeutet nicht die Auflösung von Partnerschaft. Es begründet sie neu auf Vertrauen und gegenseitiger Verantwortung.