Seit Jahrzehnten kämpft Familie Kaaya aus Tansania um die Rückführung der sterblichen Überreste ihres Vorfahren Mangi Lobulu Kaaya. Der Herrscher der Wameru wurde 1900 von der deutschen Kolonialverwaltung hingerichtet; seine Gebeine nach Berlin gebracht. Heute befinden sich im American Museum of Natural History in New York.
Felix Kaaya, 73 Jahre alt, möchte seinem Ahnen endlich begegnen und die Rückführung persönlich voranbringen. Das Museum hat ihn und weitere Mitglieder der Familie offiziell eingeladen. Felix, Ndelekwa und Erines Kaaya waren im Februar zur Visumsbeantragung in Dar es Salaam. In der vergangenen Woche folgte ein Termin für das Visumsinterview in der US-amerikanischen Botschaft. Trotz der großen Hoffnung erhielten alle drei noch am selben Tag eine Ablehnung.
Grund dafür ist die aktuelle politische Lage: Tansania steht seit Oktober auf einer Liste, die die Einreise für tansanische Staatsangehörige nur noch in sehr ausgewählten und wichtigen Fällen erlaubt.
Gerade weil die drei nach ihrem Antrag zu einem Interview eingeladen worden waren, war die Zuversicht groß. Entsprechend schwer wiegt nun die Enttäuschung: Die für den 20. März geplante Reise nach New York – in das Museum, in dem sich die menschlichen Überreste von Mangi Lobulu befinden – muss bis auf Weiteres verschoben werden.
Die Familie hat jedoch den Berliner Forscher und Künstler Konradin Kunze beauftragt, sie in New York zu vertreten. In ihrem Namen soll er Informationen über Mangi Lobulu sowie über eine mögliche Rückführung seiner sterblichen Überreste in die Meru-Region in Tansania einholen.
Konradin Kunze wird am kommenden Sonntag nach New York reisen, um im National Museum zu recherchieren und Gespräche zu führen. Darüber hinaus ist geplant, den Film „Das leere Grab“ an verschiedenen Orten in und um New York zu zeigen und im Anschluss mit ihm ins Gespräch zu kommen und für das Thema auch in den USA zu sensibilisieren. Als langjähriger Begleiter der Familie kennt er ihre Geschichte sehr genau.
Wir wünschen ihm eine gute und sichere Reise und hoffen auf positive Nachrichten für die Familie Kaaya.
Wir sind sehr dankbar für die vielfältige Unterstützung – sei es durch Spenden oder auf andere Weise. Die Mittel werden verantwortungsvoll verwahrt, damit sie zu einem späteren Zeitpunkt für eine Reise und die angestrebte Rückführung eingesetzt werden können.
Das Leipziger Missionswerk sieht sich in besonderer Verantwortung: Zum einen hat die Leipziger Mission Mangi Lobulu Land für eine Missionsstation am Mount Meru zu verdanken. Zum anderen ist auch die Geschichte unserer eigenen Mission mit kolonialem Unrecht verbunden. Gemeinsam mit Partnern und Forschenden arbeiten wir an der Aufarbeitung und unterstützen die Familien, deren Angehörige noch immer in Sammlungen außerhalb Afrikas lagern.
Der preisgekrönte Dokumentarfilm „Das leere Grab“ macht das Schicksal der Familien Kaaya und Mbano sichtbar. Die Evangelische Medienzentrale Sachsen stellt den Film für Gemeinden kostenfrei bereit.
