Mit Trauer und Dankbarkeit nimmt das Leipziger Missionswerk Abschied von Landesbischof i. R. Jochen Bohl. Der frühere Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens ist am 29. Juli 2026 im Alter von 76 Jahren verstorben. Von 2004 bis 2015 stand er an der Spitze der sächsischen Landeskirche. Dem Leipziger Missionswerk und seinen Partnerkirchen weltweit war er in besonderer Weise verbunden.
Diese Verbundenheit blieb für Jochen Bohl nicht abstrakt. Er suchte die Begegnung und wollte die Partnerkirchen mit ihren Menschen und ihrer Geschichte kennenlernen. 2006 reiste er als Gast der Jubiläumssynode nach Papua-Neuguinea und besuchte Projekte des Leipziger Missionswerks. Besonders beeindruckte ihn die Hochachtung, die den Leipziger Missionarinnen und Missionaren bis heute entgegengebracht wurde. „Das ist mir unvergesslich geblieben“, sagte er damals. Zugleich erlebte er die Herausforderungen, vor denen die Menschen standen, und die vielfältige kirchliche Arbeit in Verkündigung, Bildung und Diakonie. Gern übernahm er die Schirmherrschaft für die Adventsaktion “Licht ins dunkle Tal” und warb selbst Spenden aus seinem Umfeld dafür ein.
Auch bei seiner zehntägigen Reise nach Tansania 2013 wurde deutlich, wie wichtig ihm die persönlichen Begegnungen waren. Gemeinsam mit einer sächsischen Delegation nahm er am 50-jährigen Jubiläum der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Tansania (ELCT) in Makumira teil und besuchte die Partnerdiözesen der sächsischen Landeskirche. In Kidia weihte er gemeinsam mit dem Altbischof der Nord-Diözese, Dr. Erasto N. Kweka, die restaurierte historische Kirche wieder ein. Bohl beschrieb Kirchengebäude als Orte, an denen Menschen im Gebet Gemeinschaft erfahren und ihren Glauben stärken. Sie seien zugleich „Zeugen aus Stein“ für die Meilensteine des Lebens und damit wichtige Orte persönlicher Erinnerung.
Besonders bewegend wurde die Reise in der Gemeinde TPC, mit der die Kirchgemeinde Leipzig-Stötteritz seit Jahrzehnten verbunden ist. Dort wurde Bischof Bohl überraschend gebeten, sieben Massai-Kinder zu taufen. Für ihn waren es die ersten Taufen seit seinem Amtsantritt neun Jahre zuvor. Die Begegnung wurde zu einem besonderen Zeichen seiner Verbundenheit mit den Menschen der Partnerkirche.
Jochen Bohl verstand Partnerschaft als gegenseitiges Geben und Empfangen. Die Kirchen des Südens waren für ihn nicht einfach Empfänger von Unterstützung, sondern eigenständige und geistlich reich beschenkte Partner. Diese Überzeugung prägte auch sein Verständnis von Mission. „Mission ist ein ausgesprochen biblischer Begriff“, sagte er 2006. Der Auftrag, von Christus zu erzählen, gelte nicht nur für die Kirche in fernen Ländern, sondern ebenso für Deutschland. „Unsere Mission ist es, den Menschen Christus zu bringen – und dieser Auftrag bezieht sich auf Deutschland und natürlich auch auf die Welt.“
In einer Meditation für KIRCHE weltweit schrieb Bohl über das Wort aus dem 1. Johannesbrief: „Jesus Christus ist die Versöhnung für unsere Sünden, nicht allein aber für uns, sondern auch für die ganze Welt.“ Darin sah er die Grundlage christlicher Zuversicht und zugleich den Auftrag, die Erfahrung des Glaubens weiterzuerzählen. Sein Verständnis von Mission war dabei eng mit dem Leben der Menschen verbunden. Verkündigung, Bildung und diakonisches Handeln gehörten für ihn zusammen.
Seine Reisen zu den Partnerkirchen waren deshalb mehr als bischöfliche Besuche. Sie waren für ihn Gelegenheiten, Anteil zu nehmen, zuzuhören und sich selbst beschenken zu lassen. Zugleich scheute er sich nicht, die missionarische Dimension kirchlichen Handelns in Deutschland deutlich anzusprechen. Gerade in einer Zeit, in der der Begriff „Mission“ in Deutschland vielfach zurückhaltend verwendet wurde, erinnerte Bohl daran, dass die Kirche etwas von Christus zu sagen hat.
Dem Leipziger Missionswerk bleibt Jochen Bohl als ein Bischof in Erinnerung, der die weltweite Kirche nicht nur theologisch bejahte, sondern ihr persönlich begegnete. Seine Besuche in Papua-Neuguinea und Tansania, sein Interesse an den Partnerschaften und nicht zuletzt die bewegenden Taufen in TPC stehen dafür beispielhaft.
Wir sind dankbar für seine Verbundenheit mit dem Leipziger Missionswerk, für sein Interesse an den Partnerkirchen und für seine Ermutigung, den missionarischen Auftrag der Kirche selbstbewusst, offen und partnerschaftlich wahrzunehmen.
Unser Mitgefühl gilt seiner Familie und allen Menschen, die um ihn trauern.
Wir vertrauen darauf, dass Jesus Christus, von dem Jochen Bohl Zeugnis gegeben hat, ihn nun in seine ewige Gemeinschaft aufgenommen hat.
