190 Jahre Leipziger Mission: Dankbar zurückblicken – gemeinsam Zukunft gestalten
Mit einem festlichen Gottesdienst in der Leipziger Nikolaikirche und einem anschließenden Empfang feierte das Leipziger Missionswerk am 28. Juni 2026 sein 190-jähriges Bestehen. Gemeinsam mit Gästen aus den Partnerkirchen, Vertreterinnen und Vertretern aus Kirche und Gesellschaft sowie zahlreichen Freundinnen und Freunden des Werkes wurde auf eine bewegte Geschichte zurückgeblickt – und zugleich der Blick nach vorn gerichtet.
Die Predigt zum Lukasevangelium, Kapitel 6, Verse 36–42 hielt Pastorin Dr. Elizabeth Silayo aus der tansanischen Nord-Diözese, die aktuell als ökumenische Mitarbeiterin der Vereinten Evangelischen Mission (Wuppertal) tätig ist. Sie spannte den Bogen von den Anfängen der Leipziger Mission im Jahr 1836 in Dresden bis in die Gegenwart und würdigte den Mut der ersten Missionare. Damals sei die „Welt riesig“ gewesen – ohne Internet, ohne Mobiltelefone, ohne moderne Verkehrsmittel und ohne die Möglichkeiten heutiger Kommunikation. „Die ersten Menschen, die aus Leipzig in andere Länder aufbrachen, wussten nicht, was sie erwartet. Aber sie hatten etwas viel Größeres: Sie hatten Glauben. Sie vertrauten Gott. Sie hörten seinen Ruf. Und sie gingen mutig los. Für diesen Mut sagen wir heute von Herzen: Danke!“, sagte Silayo. „Beten wir, dass Gott uns hilft, dieses wertvolle Erbe niemals zu vergessen.“
Zugleich verschwieg sie nicht die Ambivalenzen der Missionsgeschichte. Der Begriff Mission werfe heute schwierige Fragen auf und sei mit Kolonialismus, Macht und Ungleichheit verbunden. Dennoch dürfe der Einsatz der ersten Missionarinnen und Missionare nicht kleingeredet werden: „Ohne ihren ersten Schritt gäbe es viele der wunderbaren Beziehungen nicht, die wir heute als Geschenk erleben dürfen.“
Besonders eindrücklich beschrieb Silayo den Wandel der Partnerschaften. „Dass ich heute als Pfarrerin aus Tansania hier vor euch stehen darf, ist kein Zufall. Es ist eine wunderbare Frucht dieser langen gemeinsamen Geschichte. Durch diese Missionsgeschichte habe ich gelernt: Gott ist viel größer als unsere Kulturen. Größer als unsere Sprachen. Seine Liebe kennt keine Grenzen.“
Heute gehe es nicht mehr um ein Gegenüber von sendender und empfangender Kirche, sondern um gemeinsames Unterwegssein: „Und wir werden diesen Weg auch in Zukunft gemeinsam gehen; geführt von Jesus Christus. Und jetzt gehen wir gemeinsam weiter. Nicht hintereinander. Nicht voreinander. Sondern Seite an Seite. Mit Christus in unserer Mitte.“
Das 190-jährige Jubiläum sei deshalb nicht nur Anlass zum Erinnern, sondern zugleich „Startsignal für die Zukunft“. Es gelte zu prüfen, woher die Kirche komme, zu klären, wohin sie gehen wolle, und „mit dieser Hoffnung nach vorn zu schauen“. Silayo zeigte sich überzeugt: „Gott hat noch viel mit uns vor. “ Der gemeinsame Auftrag bestehe darin, Brücken zu bauen und Gottes Liebe in der Welt sichtbar zu machen.
Beim anschließenden Empfang griff Direktorin Annette Kalettka diese Gedanken auf. Gottesdienste seien „space for grace“ – Räume, in denen Menschen Gottes Gnade erfahren, Kraft schöpfen und Orientierung finden können. „Unsere Mission ist die kleine Schwester von Gottes großer Mission für diese Welt“, sagte sie. Gerade in herausfordernden Zeiten brauche es diese geistliche Stärkung, um Neues zu wagen, Vergangenes aufzuarbeiten und gemeinsam Verantwortung zu übernehmen.
Kalettka würdigte außerdem die zahlreichen Glückwünsche aus den Partnerkirchen. Der Leitende Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Tansania, Dr. Alex Malasusa, beschrieb den gemeinsamen Weg als Entwicklung von einer Missionsbeziehung hin zu einer gleichberechtigten Partnerschaft in Gottes weltweiter Mission. Bischof Dr. Jack Urame von der Evangelisch-Lutherischen Kirche von Papua-Neuguinea rief dazu auf, die prophetische Stimme für Frieden, Gerechtigkeit, Versöhnung und Menschenwürde weiter zu erheben. Bischof Christian Samraj von der Tamilischen Evangelisch-Lutherischen Kirche ermutigte das Leipziger Missionswerk, besonders junge Menschen zu fördern und die internationalen Partnerschaften weiter zu vertiefen.
Die anschließenden Grußworte machten deutlich, wie sich das Selbstverständnis des Leipziger Missionswerkes in den vergangenen 190 Jahren gewandelt hat: Aus einer historischen Missionsgesellschaft ist ein Netzwerk weltweiter Partnerschaften geworden. Dankbar blickt das Werk auf seine Geschichte zurück – und zugleich hoffnungsvoll nach vorn. Denn, so brachte es Dr. Elizabeth Silayo auf den Punkt: „190 Jahre sind das Fundament der Missionsarbeit – und ein Startsignal für die Zukunft.“
